Recycling von Ausbauasphalt (RAP) in Ammann Asphaltmischanlagen
Jede Tonne Ausbauasphalt (RAP), die wieder in ein Asphaltmischgut einfließt, ersetzt eine Tonne an Gesteinskörnung und Bitumen, die ein Produzent nicht neu einkaufen, antransportieren oder gewinnen muss. Darin liegt der wirtschaftliche Vorteil von RAP. Deshalb entwickelt Ammann Asphaltmischanlagen für ein breites Einsatzspektrum - von konventionellen Kaltzugabesystemen für moderate RAP-Anteile bis hin zur RAH-Trocknerfamilie, die für Anteile von bis zu 100% ausgelegt ist.
Dieser Leitfaden zeigt, wie RAP tatsächlich durch die Anlage geführt wird, welche Anteile sich mit unterschiedlichen Anlagenkonzepten realistisch verarbeiten lassen, welche Vorteile bei Kosten und Nachhaltigkeit entstehen und ab welchem Punkt die Mischgutqualität kritisch werden kann, wenn der RAP-Anteil schneller steigt, als es der Prozess erlaubt.
Was ist RAP und wie wird es aufbereitet?
RAP, also reclaimed asphalt pavement, wird im Deutschen üblicherweise als Ausbauasphalt bezeichnet. Dabei handelt es sich um alten Asphalt, der von einer Straße entfernt und für ein neues Mischgut als Gesteinskörnung aufbereitet wird. Fräsen tragen die obere Fahrbahnschicht ab; bei einer vollständigen Erneuerung kann der Asphalt über die gesamte Tiefe ausgebaut werden. In beiden Fällen bleibt die ursprüngliche Bitumenummantelung erhalten, die durch jahrelange Verkehrsbelastung und Witterung gealtert und oxidiert ist.
Genau dieses gealterte Bindemittel macht RAP besonders wertvoll. RAP ist nicht nur recyceltes Gestein: Das noch anhaftende Bitumen bleibt als Bindemittel nutzbar. Jeder Anteil, der im neuen Mischgut reaktiviert wird, reduziert die Menge an Frischbitumen, die der Anlage zugegeben werden muss.
Bevor RAP die Anlage erreicht, wird es gebrochen, auf eine geeignete Korngrößenverteilung abgesiebt und gelagert. Wie gleichmäßig dieses Lagergut hinsichtlich Feuchte, Korngröße und Herkunft des Ausbauasphalts ist, beeinflusst das fertige Mischgut stärker als fast jeder nachgelagerte Prozessschritt. Deshalb ist die Art der Beschickung so entscheidend.
Wie funktioniert eine Asphaltmischanlage mit RAP?
Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche Wege, RAP in Heißmischgut einzubringen. Das jeweils eingesetzte Verfahren setzt eine klare praktische Obergrenze für den verarbeitbaren Anteil. In beiden Fällen steuert das Ammann as1 Steuerungssystem die Mischung in Echtzeit. Die geschlossene Regelung dosiert RAP entsprechend der aktiven Rezeptur im Verhältnis zur Frischgesteinskörnung, sodass der vom Bediener eingestellte Anteil Charge für Charge eingehalten wird.
Kalte RAP-Zugabe direkt in den Mischer
Die einfachste Lösung führt kaltes RAP direkt zusammen mit überhitzter Frischgesteinskörnung in den Mischer. Die heiße Gesteinskörnung überträgt durch Wärmeleitung ausreichend Energie, um das RAP beim Kontakt zu trocknen und zu erwärmen.
Das Verfahren funktioniert, hat jedoch eine physikalische Grenze: Wird die Frischgesteinskörnung zu stark überhitzt, um einen höheren RAP-Anteil auszugleichen, können die Gesteinskörnung oder der Bindemittelfilm thermisch überbeansprucht werden. Deshalb bleiben Systeme mit kalter RAP-Direktzugabe in den Mischer auf moderate Anteile begrenzt, wie im nächsten Abschnitt erläutert.
Separate RAP-Trockner - RAH-Familie
Die RAH-Trockner von Ammann sind Teil der High Recycling Technology (HRT). Sie heizen RAP in einem eigenen Kreislauf getrennt von der Frischgesteinskörnung auf und heben damit diese Begrenzung auf. Da der RAP-Strom über eine eigene Wärmequelle verfügt und nicht auf die Wärme überhitzter Frischgesteinskörnung angewiesen ist, können auf HRT basierende Anlagen RAP-Anteile von bis zu 100% verarbeiten.
Diese Trocknungstechnologie ist keine nachträglich ergänzte RAP-Lösung. Die Ammann Gegenstromtrocknung erreicht in Kombination mit der ADX-Technologie bereits eine um 15-20% höhere Brennstoffeffizienz als Gleichstromkonzepte. Von derselben Effizienz profitiert auch die RAP-Aufbereitung.
Ein korrekt erwärmter RAP-Strom verlässt den Trockner im üblichen Temperaturbereich der Anlage - etwa 140-170°C für Heißmischgut oder 110-140°C für Warmmischgut. Dadurch gelangt das Material mit einer kompatiblen Temperatur in den Mischer und benötigt keinen übermäßigen Wärmeeintrag von der Frischgesteinsseite.
Indirekte, schonende Erwärmung
RAH-Trockner erwärmen RAP indirekt. Das Material kommt nicht direkt mit der Flamme in Kontakt. Dadurch wird das gealterte Bindemittel vor Überhitzung, Blue Smoke und dem Emissionsanstieg geschützt, der bei zu starker Erwärmung von Recyclingbitumen entstehen kann.
Auch bei indirekter Erwärmung bleibt der Zustand des aufgegebenen Materials entscheidend. Eine 2022 von Sharma et al. im Journal of Traffic and Transportation Engineering veröffentlichte Übersicht zur Herstellung von Recycling-Heißmischgut kam zu dem Ergebnis, dass sich der mögliche RAP-Anteil um rund 20 Prozentpunkte erhöhen kann, wenn RAP heiß und trocken statt kalt zugeführt wird. Nicht nur die Größe, sondern vor allem das Trocknerkonzept bestimmt damit die realistische Obergrenze.
Wie viel RAP kann eine Anlage einsetzen?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Entscheidend sind vor allem der Typ der Asphaltmischanlage und das Beschickungsverfahren. Bevor die Ammann Produktfamilien betrachtet werden, hilft ein Blick auf typische Bereiche im Markt.
Anlagentyp / Beschickung | Typischer RAP-Bereich | Was die Obergrenze bestimmt |
Trommel- oder kontinuierliche Anlage, Kaltzugabe | 10% - 50% | Überhitzte Frischgesteinskörnung liefert die zusätzliche Wärme; der Bereich hängt vom Trocknerkonzept ab |
Chargenmischanlage, konventionelle Kaltzugabe | 10% - 35% (bei einigen älteren Konzepten bis 50%) | Wärmekapazität des Mischers und Kontrolle der Kohlenwasserstoffemissionen |
Indirekte Erwärmung / separater RAP-Trockner (z. B. Ammann RAH) | Bis zu 100% | RAP wird in einem eigenen Kreislauf unabhängig von der Frischgesteinskörnung getrocknet und erwärmt |
Die Federal Highway Administration berichtet, dass Mischgüter mit einem Anteil von 30-50% rückgewonnenem Bindemittel bei fachgerechter Auslegung gute Leistungen erzielen können. Das entspricht in etwa dem oberen Bereich dessen, was konventionelle Trommelanlagen verarbeiten. Wer bei Chargen- oder Trommelanlagen darüber hinausgehen will, benötigt in der Regel einen separaten RAP-Kreislauf, statt das bestehende System stärker zu belasten.
RAH35, RAH60 und RAH100 nach RAP-Anteil
Bei der Ammann RAH-Familie verweist bereits die Modellbezeichnung auf die ausgelegte Obergrenze: RAH35, RAH60 und RAH100 stehen für Anlagen, die RAP-Anteile von bis zu etwa 35%, 60% beziehungsweise 100% des Mischguts verarbeiten können. Entscheidend ist dabei nicht der theoretisch maximal gewünschte Anteil, sondern das RAP-Volumen, das der Produzent im Alltag tatsächlich einsetzen will.
Kaltrecycling mit RAC25 und RAC30
Kaltrecycling ist ein grundsätzlich anderes Verfahren. Statt RAP für ein Heißmischgut zu erwärmen, verarbeiten die Familien RAC25 und RAC30 das Material bei oder nahe Umgebungstemperatur. Eine Emulsion oder Schaumbitumen übernimmt dabei die Bindemittelfunktion, anstatt die Gesteinskörnung über Wärme zu umhüllen. Das Verfahren eignet sich eher für Trag- und Binderschichten als für Deckschichten. Die Bezeichnungen folgen derselben Logik wie bei RAH: RAC25 und RAC30 sind für RAP-Anteile von bis zu etwa 25% beziehungsweise 30% ausgelegt.
Welche Vorteile bringen höhere RAP-Anteile bei Kosten, Nachhaltigkeit und Leistung?
Der wirtschaftliche Nutzen ist auf Branchenebene gut dokumentiert. Von NAPA zusammengestellte Daten beziffern die durchschnittliche Einsparung auf knapp 9,98 US-Dollar pro Tonne gegenüber einem Mischgut aus ausschließlich neuen Materialien, wenn die geringeren Kosten für Bindemittel und Gesteinskörnung den Aufbereitungskosten für RAP gegenübergestellt werden. Bei typischen Anlagenmengen summiert sich dieser Effekt schnell.
Das New York City Department of Transportation liefert ein anschauliches Praxisbeispiel. Seine beiden eigenen Asphaltmischanlagen arbeiten im Durchschnitt mit 40% RAP. Nach Angaben der Behörde vermeidet diese höhere Recyclingquote jährlich rund zwei Millionen Meilen an Lkw-Fahrten zu Deponien.
Nachhaltigkeit und Kosten wirken hier in dieselbe Richtung: Es muss weniger Frischgesteinskörnung gewonnen, weniger alter Asphalt abtransportiert und weniger Bitumen produziert und transportiert werden, da RAP bereits mit Bindemittel umhüllt ist. Das beschreibt die Betriebskostenseite. Einen umfassenderen Blick auf die Wirtschaftlichkeit einer Investition bietet der Ammann Leitfaden zur Wirtschaftlichkeit von Asphaltmischanlagen.
Dieser Nutzen wäre gering, wenn ein höherer Recyclinganteil zwangsläufig mehr Emissionen und Partikel verursachen würde. Das ist nicht der Fall. Der Ammann Schlauchfilter erfasst unabhängig vom RAP-Anteil mehr als 99,8% der Partikel aus Trocknung und Mischprozess. Ein höherer RAP-Anteil bedeutet daher nicht, Materialeinsparungen gegen Luftqualität einzutauschen. Weitere Informationen zu Emissionen und Lebenszyklusauswirkungen finden Sie auf der Ammann Seite zum Umwelteinfluss.
Die Leistungsfähigkeit des Mischguts ist für viele Produzenten der sensibelste Punkt. Genau hier müssen die technischen Grenzen klar benannt werden, wie im folgenden Abschnitt.
Wie bleibt die Mischgutqualität bei hohen RAP-Anteilen konstant?
Bei hohen RAP-Anteilen hängt die Konstanz nicht allein vom Prozentwert ab. Entscheidend ist die Kontrolle der beiden Größen, die in jedem RAP-Lager variieren: Feuchte und Zustand des Bindemittels.
Dabei gilt ein technischer Zusammenhang, der klar berücksichtigt werden muss. Steigt der RAP-Anteil über etwa 25%, ohne die Sorte des Frischbindemittels anzupassen, wird das Mischgut tendenziell steifer und anfälliger für Tieftemperaturrisse. Der Grund ist das gealterte und oxidierte Bindemittel im RAP, das die Gesamtsteifigkeit des Bindemittelgemischs erhöht. Auch die FHWA weist in ihren Empfehlungen zu Mischgütern mit hohem RAP-Anteil auf genau dieses Schadensbild hin.
Die Gegenmaßnahme ist nicht kompliziert, muss aber gezielt erfolgen: Eine weichere Frischbitumensorte kann die höhere Steifigkeit des gealterten RAP-Bindemittels ausgleichen. Alternativ lässt sich ein Rejuvenator einsetzen, der einen Teil der verlorenen Flexibilität wiederherstellt. Wird diese Anpassung ausgelassen, ist das eine der häufigsten Ursachen dafür, dass Mischgüter mit hohem RAP-Anteil in der Praxis nicht die erwartete Leistung erreichen.
Ebenso wichtig ist ein diszipliniertes Lagermanagement. RAP aus unterschiedlichen Ausgangsbelägen oder eine Lagerung ohne Trennung nach Korngrößen führt zu Schwankungen von Charge zu Charge, die selbst ein leistungsfähiges Steuerungssystem im weiteren Prozess nicht vollständig kompensieren kann.
Plant Guard ergänzt diese Prozesskontrolle um eine zweite Ebene. Die Module Condition Monitoring und Maintenance Manager verfolgen über die Zeit unter anderem Brennerleistung und Trocknerzustand. Abweichungen können dadurch als Wartungsbedarf erkannt werden, bevor sie sich in einer uneinheitlichen Mischgutqualität bemerkbar machen.
Häufig gestellte Fragen
Wofür steht RAP im Asphaltbau?
RAP steht für reclaimed asphalt pavement. Im Deutschen wird dafür üblicherweise der Begriff Ausbauasphalt verwendet. Gemeint ist Asphalt, der von einer Straße abgefräst oder vollständig ausgebaut und anschließend als Gesteinskörnung für ein neues Mischgut aufbereitet wird. Die ursprüngliche Bitumenummantelung bleibt dabei erhalten.
Warum heißt es "reclaimed" und nicht einfach "recycled"?
"Reclaimed" ist der technische Standardbegriff, den Verkehrsbehörden und Branchenorganisationen, darunter die Federal Highway Administration, verwenden. Er ist präziser als die allgemeine Bezeichnung "recycled". Bei RAP bleiben die Gesteinskörnungsstruktur und die Bindemittelummantelung erhalten; das Material wird vor der Wiederverwendung nicht vollständig in einzelne Rohstoffe zerlegt.
Welche Nachteile hat RAP?
Der wichtigste Punkt ist die höhere Steifigkeit. Ohne Anpassung der Frischbindemittelsorte werden Mischgüter mit mehr als etwa 25% RAP anfälliger für Tieftemperaturrisse, weil das RAP-Bindemittel nach Jahren im Einsatz bereits oxidiert und verhärtet ist. Hinzu kommt die Schwankung im Lagergut: Unterschiedliche Feuchte oder Korngrößenverteilung von Charge zu Charge erschweren die Prozessführung. Außerdem kann nicht jede Anlage hohe RAP-Anteile ohne technische Erweiterung verarbeiten. Eine kalte Direktzugabe in den Mischer hat eine niedrigere praktische Obergrenze als eine Anlage mit separatem RAP-Trockner.
Wie viel lässt sich mit RAP tatsächlich einsparen?
Branchendaten beziffern die durchschnittliche Einsparung auf knapp 9,98 US-Dollar pro Tonne gegenüber einem Mischgut aus ausschließlich neuen Materialien, wenn die geringeren Kosten für Bindemittel und Gesteinskörnung mit den Aufbereitungskosten für RAP verrechnet werden. Der konkrete Wert einer Anlage hängt von den lokalen Materialpreisen und davon ab, welcher Teil der RAP-Aufbereitung intern erfolgt.
Warum verhärtet Asphaltfräsgut?
Über Jahre hinweg oxidieren Wärme, Sauerstoff und UV-Strahlung das ursprüngliche Bitumen im Fahrbahnbelag. Leichtere Bestandteile gehen verloren, das verbleibende Bindemittel wird steifer. Dieser Alterungsprozess erklärt, warum sich RAP-Bindemittel anders verhält als Frischbitumen, und ist die Ursache für den Steifigkeitseffekt bei höheren RAP-Anteilen.
Welcher RAP-Anteil ist für Ihre Anlage realistisch?
Die Antwort hängt weniger vom gewünschten Ziel als von der vorhandenen Technik ab. Bei Kaltzugabekonzepten liegt die praktische Obergrenze etwa im Bereich von 25-35%. Eine Anlage mit separatem RAP-Trockner kann dagegen für Anteile bis zu 100% ausgelegt werden, sofern Bindemittelsorte und Qualität des Lagerguts ebenso sorgfältig berücksichtigt werden wie der Prozentwert selbst.
Deshalb bietet Ammann die RAH- und RAC-Familien als abgestufte Produktreihen an und nicht als Einzellösung. Die Anlage soll zum RAP-Volumen passen, das ein Produzent tatsächlich verarbeiten will - mit den Steuerungssystemen und dem Service-Support, die notwendig sind, um diesen Anteil Charge für Charge über die gesamte Lebensdauer der Anlage konstant zu halten.
